Ein abgehetzter Clueso, der zusammen mit seiner Band bei gefühlten 40 Grad über ein sonniges Fußballfeld rennt, Rockmusik, die aus einem Landschaftspark dröhnt und jede Menge gute Stimmung- so haben Besucher des Benefizfestivals Wormlage die Veranstaltung im letzten Jahr mit Sicherheit noch in ihren Köpfen. Doch mit dem kleinen Festival, das in ganz Deutschland noch als Geheimtipp gilt, sollen die Besucher viel mehr verbinden, als nur reinen Spaß. Unter dem Motto “Kinder zum Lachen bringen” wird die Konzertreihe, die in diesem Jahr mit Bands wie Bosse, Northern Lite, The Admirals oder etwa Marusha lockt, seit nunmehr vier Jahren veranstaltet. Das Motto stellt dabei keine platte Floskel dar, sondern es steckt viel mehr dahinter. Durch die noch junge Wissenschaft der Gelotologie wurde bewiesen, dass eine Humortherapie im Krankheitsfall Linderung verschaffen kann. Da diese aber durch Krankenkassen nicht anerkannt wird, finanziert sie sich ausschließlich durch Spenden. Die Einnahmen des Festivals gehen daher zum Teil an die Kinderkrebshilfe Cottbus. Auch das “Netzwerk gesunde Kinder” wird mit den Einnahmen aus dem Festival unterstützt. Organisiert wird die Veranstaltung vom Benefizfestival e.V. Stellvertretend für den Verein sprach Lausitzblog mit Stefan Böhnisch, der 2006 die Idee von einem Festival, das Spenden für Benachteiligte sammelt, in seinem Heimatdorf Wormlage umsetzte.

Wie stehen momentan die Vorbereitungen um das Festival?

Die sind bereits abgeschlossen. Wir fangen immer etwa ein dreiviertel Jahr vor Beginn an zu planen. Die Bands werden gesichtet, wir fahren zu Konzerten und hören uns jede Band an, die bei uns eventuell spielen soll.

Was wird sich im Vergleich zu den letzten Jahren ändern?

Die Wirtschaftskrise stellt momentan ein großes Problem dar. Wir brauchen definitiv mehr Sponsoren, müssen öfter nachhaken und mehr Gelder eintreiben. Die Anforderungen nach außen haben sich ganz einfach gesteigert. Viele erwarten ein Festival für den schmalen Taler und beschweren sich über zu hohe Preise. Aber es muss ja auch berücksichtigt werden, dass die Bühne bezahlt werden muss, genauso wie das Festzelt und so weiter. Wir haben ein Festival für jung und alt geplant und wollen auch ein älteres Publikum ansprechen. Nicht zuletzt wird auch der Zeltplatz um einige Meter erweitert.

Welche Erfolge konntet ihr in den letzten Jahren durch das Festival verbuchen?

Wir haben Jahr für Jahr unsere Besucherzahlen gesteigert und eine größere Wirkung nach außen. Der Name „Benefizfestival Wormlage“ ist in aller Munde von München bis nach Hamburg.

Wie lässt sich eine so große Organisation, wie die für das Benefiz, in den normalen Alltag integrieren?

Das lässt sich eigentlich nicht integrieren, es ist einfach da. Man muss immer ein Ohr für Alles haben. Egal wo ich hingehe, ich habe eine Spendenanfrage im Kofferraum meines Autos dabei. Wenn ich Visitenkarten von Interessierten erhalte, telefoniere ich denen dann natürlich auch hinterher. Das Benefizfestival ist ja eigentlich nicht nur eine Veranstaltung. Mit der Reihe „Benefizfestival on tour“ reisen wir ebenfalls durchs Land. Im letzten Jahr waren wir mit Clueso auf tour, in diesem Jahr mit Deichkind.

Hattet ihr in den letzten Jahren mit Kritikern zu kämpfen? Und wenn ja, wie habt ihr diese überzeugen können?

Es gibt immer Leute, die sich überauftretende Bands beschweren. Wenn diese Bands aber genügend zahlende Gäste mitbringen, reden wir da gar nicht drüber. Außerdem gab es im letzten Jahr Kritik daran, dass lange auf die Spendenübergabe gewartet wurde, da unser Team nach dem Festival erstmal auf Reisen und in den Urlaub gegangen ist. Die Spendenübergabe wurde dann aber per Stellungnahme in den Zeitungen noch einmal thematisiert und das Geld ist natürlich angekommen.

Nach dem Erfolg der letzten drei Jahre hat sich das Benefizfestival längst unter Festivalliebhabern etabliert. Wie wird die Veranstaltung im Dorf Wormlage wahrgenommen?

Jetzt wird das Festival langsam wahrgenommen. Am Anfang wurde uns gesagt, wir seien größenwahnsinnig. Dabei haben wir mit nur einem Tag angefangen, uns im letzten Jahr auf zwei Festivaltage gesteigert und feiern erst in diesem Jahr drei Tage lang. Es gab nie Beschwerden etwa wegen der Lautstärke. Die Bewohner wurden rechtzeitig informiert und von uns persönlich eingeladen. Heute sagen Viele, es ist etwas Besonderes. Auch Bands denken das. Namhafte Leute wie Jan Delay haben uns schon ihr Feedback gegeben.

Hat sich im Dorf etwas verändert?

Touristen sind, besonders wegen unseres Landschaftsparks sowieso das ganze Jahr über da. Die Mentalität der Leute hat sich aber geändert. Der Zusammenhalt ist größer geworden, vor allem, weil ein Großteil des Dorfes am Festival mitgearbeitet hat.

Was wünschst du dir für das Festival in diesem Jahr?

In erster Linie, dass noch mehr Leute kommen und vor allem, dass sie nicht rumnörgeln über die Ticketpreise, sondern bedenken, welcher Aufwand hinter all der Organisation steckt.< >< ><–>

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